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Wassertochter, Windkind

Wäre ich übermäßig abergläubisch, würde ich anfangen, mir Gedanken zu machen.

Letztes Jahr, als wir an diesem Ort hier in Florida waren, damit der Astronaut Englisch lernen kann, war das große Beben und die Fukushima-Katastrophe. War auch Vollmond?
Uns jedenfalls ging es gut. Wir hatten Sonne und Wasser und ein gutes Leben.

Dieses Jahr nun, wo wir an diesem Ort hier in Florida sind, damit der Astronaut weiter Englisch lernen kann, tobt vor der Küste Hurricane Sandy, und den New Yorkern fliegen die Mützen weg.
Uns aber geht es gut. Wir haben Sonne und Wasser und ein gutes Leben.

Das Leben beschenkt uns so reich.
Gerade weil vor der Küste der Hurricane tobt und es – für hiesige Verhältnisse – so kalt ist, kommen die Manatees frühzeitig in die warmen Quellen und beschenken uns mit ihrer Anwesenheit.
Man soll sie nicht anfassen, nicht mit ihnen schwimmen.
Haben wir nicht. Sie haben uns angefasst.
„Lass uns mal mit Menschen schwimmen gehen heute“, schienen sie sich abgesprochen zu haben. Keinen Meter konnten wir schwimmen, ohne dass eins kam und uns untersuchen wollte, uns angeknabbert, uns gefolgt hat.

Rau sind sie. Und warm. Und riesengroß. Und sanft.
Und sie machen unsagbar glücklich.

Sie lassen das Herz den ganzen Tag lang lachen.
Gibt es ein größeres Geschenk?

 

Oh, und dazu noch ist das natürlich superoberklasse Biologie-Unterricht.
Oder Gesellschaftskunde (wegen des Umweltschutzaspekts)? Oder Physik wegen der unterschiedlich gefühlten Wassertemperatur, wenn die Außenluft warm oder kalt ist? Oder vielleicht doch Sport?
Ach was, ich kann es eh nicht leiden, das Leben in Fächer einzuteilen.
Zumal es ja immer noch keine Fächer wie „Herzblubbern vor Glück“ oder „inneres Leuchten“ gibt.

Vielleicht ist es einfach LEBEN.

 

Interessanter Link zum Manatee

Jamschooling

Alle, die von Freiheit träumen,
sollen Freiheit nicht versäumen…

Ich lass Westernhagen auf youtube dudeln, während ich schreibe. Draußen klingt es nach Zahnarztbohrer, wie fast immer dieser Tage.
Der Astronaut graviert dänische Nordseesteine.

Einen, den schönsten, hat er für seine neue Klasse graviert. 🙂
Gestern gleich nach dem Nachhausekommen.
Keine Zeit fürs Mittagessen, keine Zeit, die Schuhe auszuziehen, keine Zeit, was zu trinken.
Er brennt. Nicht nur fürs Gravieren, sondern auch für seinen neuen Lebensabschnitt.
Was mich dazu bringt, dass ich hier eine neue Kategorie einfügen muss. „Schule“.

Bisher hatten wir ja das Glück, dass er eine winzigkleine freie Grundschule besuchen konnte, eine sehr unschulige Schule sozusagen. Wir konnten guten Gewissens davon sprechen, im Grunde unseres Herzens Unschooler zu sein.
Er lernte, was er wollte wann er wollte und wie er es wollte.

Und dann DAS: „Mama, ich möchte in eine richtige Schule.“

„Bist du vom wilden Watz gebissen?“, hab ich gesagt. „Ich will dir die Welt schenken, und du wählst die SCHULE?! Hast du nicht gehört, wie alle sich freuen, wenn sie Ferien haben? Erinnerst du dich nicht, dass du blass und krank und unglücklich geworden bist, als du damals in der ersten Klasse in einer „richtigen Schule“ warst?“

Er war nicht abzubringen.
Er musste sich auch nicht mehrere Schulen ansehen. Er hat sich eine ausgeguckt, wir sind da zum Infoabend gegangen, und das war’s. Er wusste absolut genau, was er wollte.

Ich musste sehr sehr viel nachdenken in jenen Tagen der Entscheidung. Ist es Freiheit, jemand anderen die Unfreiheit wählen zu lassen? Und kann man nicht auch Staatsschule freiheitlich … ja … NUTZEN, um dort Freunde zu finden und Dinge zu erleben, die eben nur in der Gruppe gehen? Ich glaube inzwischen ziemlich sicher, dass man kann. Unschooling bedeutet letztlich ja nichts anderes als die Kinder als Personen ernst zu nehmen.

Damals, in der ersten ersten Klasse (aus der wir ihn dann relativ schnell rausgenommen haben), sagte die Lehrerin zu mir: „Ich muss manchmal auch unangenehme Dinge tun, die ich nicht will.“
„Tja“, hab ich geantwortet, „der Unterschied ist nur, dass Sie 42 sind und er 6. Außerdem haben Sie sich den Job ausgesucht und können ihn kündigen. Der Vergleich hinkt also leider total.“
Bei dieser Schule, der neuen Schule, hinkt der Vergleich nicht (so sehr).

Der Astronaut hat sie gewählt. Freiwillig. Sehenden Auges.
Und falls der Tag kommt, an dem er die Kündigung einreichen will, wird uns schon was einfallen.
Bis dahin genießt er die Schule, das Dazugehören, das Normalsein.

Mein Freund Scott Noelle hat den feinen Begriff „jamschooling“ geprägt. Er bedeutet unter anderem, Schule freiwillig zu nutzen und sozusagen zur jamsession zu machen.
Freude zu haben, Freunde zu haben, sich das rauszuholen, was man möchte.
Freiheit in die (Staats)schule hinein zu tragen.
Wobei ich – als bekennender Schulverächter! – ehrlicherweise sagen muss, dass es dieser Schule (zumindest habe ich nach den ersten drei Tagen den Eindruck) sowieso schon ganz gut gelingt, innerhalb des Systems Freiheit und Individualität zuzulassen. Bin gespannt, wie das weitergeht.

Seinen gravierten Klassenstein nehmen sie jetzt in den Morgenkreisen als Redestein.

Das Video zum Poster

Während die Kinder DRAUSSEN sind, da, wo Menschen im Sommer hingehören, habe ich schnell was gebastelt.

Nicht wirklich hochauflösend, aber den Teil kriegen wir später.

Entzündet

Als ich das erste Mal von ihm hörte, fand ich ihn albern. Ausgesprochen.
Bücher muss man anfassen können.
Fühlen, riechen.
Drin rumkrickeln und Seiten knicken.
Wer um alles in der Welt braucht einen ebook-Reader???

Und dann… Wie soll ich es sagen?

Es fing damit an, dass mir immer auch die Kindle-Ausgabe angeboten wurde, wenn ich – ausnahmsweise natürlich! – nicht bei meinem lokalen Echte-Welt-Buchhändler einkaufte, sondern im Netz.

Ich ignorierte das.
Ich wollte echte Bücher.

Ich ignorierte es lange.

Dann fuhren wir nach Amerika, der Astronaut und ich, um uns seine jährliche Dosis Englisch abzuholen und noch das eine oder andere mehr zu tun. Wir hatten zwei sehr fette Koffer. Wir mussten schließlich Vorlesematerial für mehrere Wochen mitnehmen. Und da das Kind aus dem Alter raus ist, wo man drei Abende hintereinander Pettersson zeltet vorlesen kann, war es entsprechend viel Vorlesematerial, und die fetten Koffer waren entsprechend eben auch schwere Koffer.

Als wir den Herrn der Diebe zum zweiten Mal durch hatten, und all die anderen feinen Bücher auch, die wir so durch die Welt fuhren, als uns also trotz der Plackerei das Lesematerial ausging, machte ich den einen oder anderen Klick, und – rutzdiwutz – hatten wir ein neues Buch. Einfach so. In Sekundenschnelle. Auf des Astronauten iPod. Was, ehrlich gesagt, kein großes Lesevergnügen war. Futzelig kleiner Bildschirm, zu hell oder zu dunkel mit zu großen oder zu kleinen Buchstaben…
Klar, der iPod ist ja auch nicht als ebook-Reader konzipiert.

Dennoch war das der Augenblick, als ich dachte: Vielleicht… ja, vielleicht ist ein ebook-Reader keine schlechte Sache.
Und wenn die Saat einmal gesät ist, ist sie ja schwer am Wachsen zu hindern.

Amazon bot mir treu und redlich weiterhin den Kindle an, sobald ich die Seite öffnete.
Ich ignorierte das.
Zuerst.

Dann las ich mich durch das Netz, durch die Fürs und Widers der verschiedenen ebook-Reader. In unserem Buchladen haben sie einen, der fasst sich richtig gut an. TrekStor heißt die Firma. (Erwähnte ich, dass ich finde, dass die Haptik bei den meisten Produkttests zu kurz kommt?) Zweimal schon war ich im Buchladen und habe den Reader in der Hand gehabt und nicht gekauft. Er hat nämlich kein Touch-Display, und ich mag ein Touch-Display lieber als Tasten.

Weiterhin zeigte amazon mir den Kindle.
Ganz oben in der Mitte.

Schick ist er ja nicht wirklich, in diesem Plastikgrau.
Wenn man ein iPad daneben legt, wirkt er gleich nochmal plastikiger.
Ein iPad ist, da beißt die Maus ja nun keinen Faden ab, möglicherweise zwar besser geeignet zum Lesen als ein iPod, aber es ist eben kein Lesegerät. Mit einem iPad in der Hängematte liegen und das Abendblatt lesen verzeihen mir meine Augen keine 10 Minuten (ich hab’s ausprobiert).

Und heute hab ich’s getan.

Ich bin zu Karstadt in den Nachbarort gefahren und habe ihn angefasst. IHN. Den Kindle.
Der kleine Kindle fasst sich einfach nur dünn und pöddelig an.
Doch der Kindle Touch liegt gut in der Hand.
Das Plastikgrau ist fast nicht schlimm.
Das Display tut den Augen nicht weh.
Das ganze Ding gibt nicht an.
Es ist erfrischend unaufdringlich.

Und wie viele Bäume am Leben bleiben dürfen, wenn ich fortan elektronisch lese!

Ich hab ihn nicht gekauft. Noch nicht.

Denn ich war hinterher im Buchladen gleich neben Karstadt.
Ich habe Bücher gerochen.
Ich habe in Büchern geblättert.

Irgendwie glaube ich trotzdem, dass man einfach nicht alle Bücher anfassen können muss.

Als ich klein war, haben wir in der Familie immer wieder mit dem Gedanken gespielt, ein Boot zu kaufen. Ein großes. Ein Segelboot mit mindestens 8m, eigentlich eher mehr. Wir haben es nie gemacht. Wir waren zu weit vom Wasser weg. Und wir wollten auch nicht jeden Urlaub auf dem Boot verbringen müssen, bloß weil es da ist. Und so träumten wir nur vom Boot.

Als ich größer wurde… als ich erwachsen wurde, träumten wir den Traum vom Boot zu zweit weiter. Immerhin waren wir jetzt am Wasser. Aber jeden Urlaub auf dem Boot verbringen müssen, bloß weil es da ist? Damit es sich zumindest irgendwie halbwegs lohnt?
So ein Boot ist ja ein bisschen wie ein Pferd; man muss es hegen und pflegen und päppeln und dafür sorgen, dass es liebevoll untergebracht ist, wenn es nicht im eigenen Vorgarten stehen kann.

Naja, und dann kam das Kind.
Und wurde größer. Und wir sprachen von Booten.
Und das Kind wurde noch größer und kam in das Alter, wo es seinen Papa mehr braucht und schätzt als seine Mama. Und sein Papa sagte, wie alle Papas, die am Deich wohnen: „Sohn, lass uns mal Boot fahren gehen.“

Wie die Dinge so zusammen fielen, wollten im Nachbardorf Leute die Boote ihrer erwachsenen Kinder loswerden.

Und deswegen haben wir jetzt zwei Boote, die nicht wie Pferde sind, sondern eher wie Katzen. Wie Draußenkatzen.
Ab und zu muss man sie ein bisschen liebhaben und auch mal streicheln, und ansonsten fressen sie kein Brot.
Und sie machen UNGLAUBLICH SPASS!!!
(Auch wenn ich finde, dass das Einsteigen an den matschig-schmierig-schlammigen Schottersteinen bei Niedrigwasser echt keine Freude ist, vor allem für meine Hose nicht. Und dass das Ganze sich auch ein bisschen kippelig anfühlt, wenn man drin sitzt…)

Gras im Glas

Die Horde macht wieder mal Übernachtungsparty.
Sie rennen im Haus, ums Haus, über die Gartenbänke. Irgendwie rennen sie die ganze Zeit. Jetzt schlafen sie. Und morgen früh werden sie weiter rennen. Vermutlich werden sie wenig Zeit zum Essen haben.
Wie gut, dass man Essen auch trinken kann.

 

Inspiriert von Victoria Boutenko und ihrem Buch Grüne Smoothies: lecker, gesund & schnell zubereitet trinken wir seit Monaten mehr oder weniger regelmäßig und mehr oder weniger literweise Grüne Smoothies.
Soooooo lecker. Und Nachbarkind-getestet. 🙂

Unter „Selbstgemachtes“ gibt es ein Rezeptblatt dazu.
Bon appetit.

🙂

 

 

Plastikspielzeug

Wir haben gerade Plastic Planet gesehen.

Und das Buch zum Film von Frau Krautwaschl dazu gelesen.
Also, das Buch habe ich gelesen.
Der Rest der Familie hat sich mit dem Film begnügt.
Beides zusammen führte zu verstärkter Vehemenz meinerseits, das Plastik im Haus weiter zu minimieren. Es gibt allerdings bisher nur wenige fristlose Kündigungen. Wir führen schlicht keine Neueinstellungen durch, wenn eine Tupperdose in Rente geht. (Naja, oder eine IKEA-Dose. Tupper hab ich eh kaum.) Denn es wäre ja ziemlich dumm, das ganze Plastik in den Müll zu schmeißen, um Metall- oder Glasdosen zu kaufen.
Ohnehin haben wir vergleichsweise wenig Plastik im Haus. Es ist immer noch unerträglich viel, aber wir geben uns Mühe…
Leider ist mir auch einmal mehr unbarmherzig klar geworden, dass die Hunde-K***-Entsorgung leider doch nicht so einfach funktioniert, wie ich mal irgendwann dachte. Kompostierbaren Beutel in die Botanik werfen geht nämlich nicht mal in Notfällen. Weil in der Botanik nicht nur kleine Würmer, Käfer, Fliegen und Maden wohnen, die sich über die Kacke freuen und die den Bakterien und dem Sonnenlicht freudig beim Zerkleinern des Beutels helfen. Nein. Da wohnen auch größere Tiere, die die vier Wochen nutzen, bis der Beutel kompostiert ist und ihn aufessen. Und dann verhungern. Oder krank werden. Und das soll so nicht sein.

Zurück zum Thema. Wie wir da also so sind, frisch motiviert, allesamt entschieden, dem gesamten Plastikmüll der Menschheit den Kampf anzusagen, steigt der Preis für die unverpackten Mohrrüben im Bioladen prompt auf vollkommen indiskutable 3,29 oder so pro Kilo, so dass nur noch die plastikgetüteten Supermarkt-Bio-Möhren bleiben.
Das könnte ja zur Not gerade noch als hohe Gewalt gelten und das puckernde Plastikgewissen nicht weiter belasten.

Wenn da nicht… zeitgleich…
DAS HIER in unser Leben gekommen wäre.

Das Ding hat leider exakt das richtige Gewicht, exakt die richtige Form, ist bolle schnell, lässt sich wahnsinnig weit werfen und macht allen wahnsinnig Spaß. Selbst mir, die ich eigentlich bekennende Ballsport-Analphabetin bin. Ich kann damit sogar werfen. Ich kann damit sogar manchmal fangen. Ich frage sogar freiwillig in die Runde, ob wir nicht ein paar Bälle werfen wollen.

Die NERF-Guns haben es ja längst über die Schwelle geschafft, die entlocken mir kaum noch einen müden Seufzer. Die wohnen hier schließlich schon seit einem Jahr. Und jetzt ist halt die passende Handgranate den passenden Ball dazugekommen. Aus Schaumstoff. Erdöl mit Weichmachern.

Bisher haben wir das Ding nur ausgeliehen. Aber ich glaube…
Es macht wirklich un-glaub-lich Spaß.
Ehrlich.

Ich berichte dann, falls ich einen kaufe welchen ich kaufe.
Oder will jemand zufällig gerade einen loswerden??? 🙂
Ich wüsste einen Zehnjährigen, der sich saumäßig drüber freuen würde.

Die Handwerker sind da

Was tun mit den Resten vom Terrassenbau?

Der Astronaut verschwand gestern Mittag – es waren gefühlte 100°C in der Sonne – in seinem Zimmer und ward nicht mehr gesehen.

„Kommst du wieder runter?“
„Ja, gleich. Ich plane gerade etwas.“

Kurz darauf kam er runter mit einer Konstruktionsskizze und einer Holzliste.

„Mama, ich baue eine Gartenliege. Guck, diese Hölzer hier sind so lang, dann brauche ich noch 2 davon und 4 davon und…“

Ich gestehe, dass mir seine Maße ziemlich suspekt waren. Ist das Kopfteil nicht viel zu lang? Und die Liegefläche nicht viel zu schmal? Und überhaupt? Aber ich dachte, was soll’s. Das Holz ist da, und wenn’s nix wird, dann wird’s halt nix. Ist ja nicht meine Baustelle.

Naja, was soll ich sagen?
Das Ding ist ziemlich rattenscharf geworden.
Die Längen stimmten haargenau.

Anbaden!

Sie sind ja hart.
Noch bevor der Mai da war, mussten sie gestern das erste Mal in die Elbe.

Vorher allerdings noch ein paar „Karpfen fangen“.
Unglaublich! Ich habe das das erste Mal gesehen.
Die Viecher sind bestimmt 30 bis 40cm lang
und springen aus dem Wasser, um sich Futter zu holen.
Und sie kloppen sich um die Weibchen, weil gerade Paarungszeit ist.
Sagt zumindest der Tierexperte der Horde gestern.

 

Feuer und Flamme

Manchmal erfordert es etwas Spontaneität,
wenn das Kind morgens um 8h anfängt, Projekte zu haben.

 

Gut, dass dann auch irgendwann immer der Abend kommt,
so dass man all die tollen Fackeln auch nutzen kann.

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